
Welche Auswirkungen hat Achtsamkeit auf die Beziehung?
Beziehungen sind nicht immer harmonisch, denn jeder der beiden Partner bringt seine eigene Persönlichkeit in die Beziehung mit ein, seine inneren Spannungen und Konflikte, seine Art, mit Anderen umzugehen. Und die Erwartungen und Bedürfnisse an den Anderen sind oft höchst unterschiedlich. Konflikte sind da meist vorprogrammiert.
Doch nicht nur junge Beziehungen haben so ihre Probleme, die es im Alltag zu bewältigen gilt. Auch älter werden ist eine Herausforderung. Während jüngere Paare sich meist fragen: Wie machen wir unsere Beziehung harmonischer, ausgeglichener?, fragen sich ältere Paare oft: Wie machen wir unsere Beziehung wieder lebendig. Und Alt sowie ebenso auch Jung klammern sich allzu oft allzu sehr aneinander in der hilflosen Angst, sich zu verlieren oder beenden allzu früh, was vielleicht hätte schön werden können.
In ihrem Beitrag „Vom Loslassen und gutem Beenden“ schreibt die Schweizer Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin Katharina Ley unter anderem:
Der Verlauf unseres Lebens wird auch davon geprägt, wie wir loslassen können. Dem Vergangenen einen Wert geben, Danke zu sagen und zu spüren, was hat uns berührt. Indem wir den Übergängen bewusst Raum geben, legen wir gleichzeitig ein gutes Fundament für einen Neuanfang.
Veränderung ist eine grundsätzliche Konstante im Leben. Ohne sie könnte nichts Neues entstehen. Und dieser Umbruch beinhaltet Abschied und Neuanfang zugleich. Wie wichtig ist es, sich dieser Gegensätze bewusst zu werden?
Meines Erachtens ist es ganz wichtig, Abschied und Neubeginn auseinander zu halten. Ich würde sogar sagen, dass ein guter Abschied wesentlich ist für einen gelingenden Neubeginn. Erst wenn ein Abschied versöhnlich und würdigend gestaltet wird, kann daraus etwas positives Neues entstehen. Für mich sind Abschied und Neubeginn keine Gegensätze, sondern die zwei notwendigen, aufeinander folgenden Schritte, damit Veränderung möglich wird.
Meinen Erfahrungen zufolge werden Abschiede gerne ‚übersprungen‘. Man springt ins Neue hinein, ohne das Alte (einen Menschen, eine Berufsstelle, eine Wohnung u.a.) zu würdigen, zu verdanken und zu verabschieden. Scheiden tut weh; ja, das ist oft so. Doch der Abschiedsschmerz hat seinen Wert und seine Gültigkeit. Ein Neuanfang kann etwas Berauschendes mit sich bringen, ins Beginnen verliebt – es gelingt umso besser als das Alte wirklich geehrt wird.
Rückblickend betrachtet, hätten wir manchmal lieber anders gehandelt. Wir fangen an, mit uns zu hadern. Was kann uns helfen, die Vergangenheit sein zu lassen und das Gewesene anzuerkennen?
Natürlich hätten wir rückwirkend manchmal etwas anders, ja besser machen wollen. Aber offenbar war das in jenem Moment nicht möglich. Wer ganz und gar gegenwärtig lebt, macht aus dem gegenwärtig zu Erledigenden bzw. zu Vollziehenden eben das Bestmögliche. Ich tue mein Bestes. Ich tue jederzeit das, was mir möglich ist.
Gegenwärtig leben? Es gibt da eine sehr hilfreiche kurze (Geh-)Meditation von Thich Nhat Hanh. ‚I have arrived. I am home. My destination is in every step‘. ‚Ich bin angekommen. Ich bin daheim (in mir). Mein Ziel ist in jedem Schritt.‘
Es ist für mich eine kurze, bündige, schlüssige Meditation im Gehen. Ich bewege mich dazu im Raum, solange es sinnvoll ist. Danach bin ich wunderbar in der Gegenwart angekommen. Wenn das soweit ist, kann man die Vergangenheit sein lassen, das Gewesene anerkennen und die Herausforderungen und Schönheiten des Hier und Jetzt wahrnehmen.
(Quelle: Katharina Ley)
Buchempfehlungen zu Katharina Ley:
Achtsamkeit in der Beziehung bietet sich als Weg an, das Miteinander ins Gleichgewicht zu bringen und liebevoll miteinander umgehen zu lernen. Sich Zeit und Raum zu geben im Hier und Jetzt. Sich morgens beim Aufstehen bereits fragen: Was können wir uns heute Gutes tun? Gemeinsame Unternehmungen planen, Raum schaffen für Gespräche und Zärtlichkeit, aber auch Freiraum schaffen für das individuelle Ich, für die Zeit nur für sich selbst, das sind für Paare jeden Alters wesentliche Voraussetzungen zu einer tragfähigen und erfüllten Bewältigung des Miteinanders. Und Behutsamkeit sowie gegenseitige Wertschätzung helfen, die Klippen des Alltags zu umschiffen und wieder in sicheren Gewässern zu landen.
Ein Gedicht von Thich Nhat Hanh – Beziehung:
Zum Abschluss eine wunderschöne Zusammenfassung:
Achtsamkeit zu praktizieren, führt zu einem ruhigen Geist und zu einer klaren Wahrnehmung der eigenen Gedanken, Emotionen und Körpergefühle, während parallel dazu das jeweilige Geschehen aus einer übergeordneten Perspektive betrachtet werden kann.
Ein besonderes Merkmal dieser Form von Wahrnehmung ist ihre Wertfreiheit. Das daraus entstehende unverzerrte Bewusstsein ermöglicht situationsadäquates Handeln im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen, Zielen und Werten.
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