Buddhismus – der Weg der Mitte

Zen Buddhismus und Achtsamkeit
@ Franz J. Fahr

Buddhismus und Achtsamkeit

Wer sich mit Achtsamkeit beschäftigt, wird auf diesem Weg irgendwann unweigerlich dem Buddhismus begegnen. Denn Achtsamkeit ist die tragende Essenz auf dem Pfad des Buddha. Dieser Weg ist nicht von Geboten oder Verboten geprägt, sondern leitet uns an, auf eine Art und Weise zu leben, die uns selbst sowie auch die Anderen glücklich macht und dabei möglichst wenig Leid verursacht.

Der berühmte achtfache Pfad zum Nirwana besteht in: rechte Erkenntnis und Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln und Leben, rechte Anstrengung, Achtsamkeit und Sammlung.

Und die Begegnung mit dem Buddhismus führt zumeist weiter zum Zen-Buddhismus.

Buddhismus ist ein weit verbreiteter Begriff. Doch was ist Zen und woher stammt Zen?

Der Chan-Buddhismus wurde in Südostasien durch Mönche verbreitet. Es entstanden daraufhin eine koreanische und eine vietnamesische Tradition.

Ab dem 12. Jahrhundert gelangte Chan auch nach Japan und erhielt dort als Zen eine neue Ausprägung, die in der Neuzeit in wiederum neuer Interpretation in den Westen gelangte. Die in Europa und den USA verwendeten Begriffe zum Zen stammen meistens aus dem Japanischen. Aber auch koreanische, vietnamesische und chinesische Schulen haben in jüngerer Zeit Einfluss im westlichen Kulturkreis erlangt.

Zen lässt sich umschreiben als Sammlung des Geistes und die Versunkenheit, in der alle dualistischen Unterscheidungen wie Ich und Du, Subjekt und Objekt, wahr und falsch, aufgehoben sind. Der Weg des Zen ist also eine mystische Erfahrung.

Das Zazen ist das Sitzen in Versunkenheit und stellt den direktesten Weg zur Erleuchtung dar. Im Zazen werden alle gedanklichen Vorstellungen überstiegen; es geschieht Befreiung aus jeglicher Knechtschaft der Gedankenformen, Visionen etc.

Nachstehend eine Einführung in den Zen-Buddhismus von Karlfried Graf Dürckheim:

Ein Zenmeister des 11. Jahrhunderts, Yüan-wu, bringt das Wesen der Zen-Erfahrung auf den Punkt, indem er sagt:

„Mach dich einfach innerlich leer und bring dich in Übereinstimmung mit dem Äusseren. Dann wirst du auch im hektischen Treiben der Welt in Frieden sein.

Zen-Buddhismus ist durchdrungen von tiefen Achtsamkeitsübungen, wie den folgenden:

Die fünf Achtsamkeitsübungen des  Zenmeister Thich Nhat Hanh

Jede der fünf Übungen hat eine individuelle und eine gesellschaftliche Dimension: übe ich für mich selbst Achtsamkeit in bestimmten Bereichen meines alltäglichen Lebens, wird sich dies entsprechend positiv gestaltend auf meine Umgebung auswirken.

  1. Achtsamkeitsübung

Im Bewusstsein des Leids, das durch die Zerstörung von Leben entsteht, gelobe ich, Mitgefühl zu entwickeln und Wege zu erlernen, um das Leben von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien zu schützen. Ich bin entschlossen, nicht zu töten, das Töten durch andere zu verhindern und keine Form des Tötens zu dulden, sei es auf der Welt, in meinen Gedanken oder in meiner Lebensweise.

  1. Achtsamkeitsübung

Im Bewusstsein des Leids, das durch Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit, Diebstahl und Unterdrückung entsteht, gelobe ich, liebevolle Güte zu entwickeln und Wege zu erlenen, die zum Wohlergehen der Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien beitragen. Ich gelobe Großzügigkeiten zu üben, indem ich meine Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen teile, die sie wirklich brauchen. Ich bin entschlossen, nicht zu stehlen und mir nichts anzueignen, was anderen zusteht. Ich will das Eigentum anderer achten, aber auch andere davon abhalten, sich an menschlichem Leiden oder am Leiden anderer Lebensformen auf der Erde zu bereichern.

  1. Achtsamkeitsübung

Im Bewusstsein des Leids, das durch sexuelles Fehlverhalten entsteht, gelobe ich, Verantwortungsgefühl zu entwickeln und Wege zu erlernen, die Sicherheit und Integrität von Individuen, Paaren, Familien und der Gesellschaft zu schützen. Ich bin entschlossen, keine sexuellen Beziehungen einzugehen, die nicht von Liebe und der Bereitschaft zu langfristigem Zusammensein getragen sind. Ich bin entschlossen, meine Bindungen und die Bindungen anderer zu respektieren, um unser aller Glück zu erhalten. Ich will alles tun, was in meiner Macht steht, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen und verhindern, dass Paare und Familien durch sexuelles Fehlverhalten auseinander brechen.

  1. Achtsamkeitsübung

Im Bewusstsein des Leids, das durch unachtsame Rede und aus der Unfähigkeit, anderen zuzuhören, entsteht, gelobe ich, liebevolles Sprechen und tief mitfühlendes Zuhören zu entwickeln, um meinen Mitmenschen Freude und Glück zu bereiten und ihr Leid lindern zu helfen. In dem Wissen, dass Worte sowohl Glück als auch Leid hervorrufen können, gelobe ich, wahrhaftig und einfühlsam reden zu lernen und Worte zu gebrauchen, die Selbstvertrauen, Freude und Hoffnung fördern. Ich bin entschlossen, keine Neuigkeiten zu verbreiten, bevor ich nicht sicher bin, dass sie der Wahrheit entsprechen, und nichts zu kritisieren oder zu verurteilen, worüber ich nichts Genaues weiß. Ich will keine Worte gebrauchen, die Uneinigkeit oder Zwietracht säen oder zum Zerbrechen von Familien und Gemeinschaften beitragen können. Ich will mich stets um Versöhnung und um die Lösung aller Konflikte bemühen, so klein sie auch immer sein mögen.

  1. Achtsamkeitsübung

Im Bewusstsein des Leids, das durch unachtsamen Umgang mit Konsumgütern entsteht, gelobe ich, für mich selbst, meine Familie und die Gesellschaft auf körperliche und geistige Gesundheit zu achten, indem ich achtsames Essen, Trinken und Konsumieren übe. Ich will nur das zu mir nehmen, was das Wohl und den Frieden meines Körpers und meines Geistes fördert und was ebenso der kollektiven körperlichen und geistigen Gesundheit meiner Familie und der Gesellschaft dient. Ich bin entschlossen, auf Alkohol oder andere Rauschmittel zu verzichten und keine Nahrungsmittel oder andere Dinge zu konsumieren, die mir schaden könnten, wie z.B. bestimmte Fernsehprogramme, Zeitschriften, Bücher, Filme und Gespräche. Ich bin mir bewusst, dass ich meinen Vorfahren, Eltern, der Gesellschaft und künftigen Generationen Unrecht tue, wenn ich meinen Körper und meinen Geist solch schädigenden Einflüssen aussetze. Ich will daran arbeiten, Gewalt, Angst, Ärger und Verwirrung in mir selbst und in der Gesellschaft zu transformieren, indem ich eine maßvolle Lebensweise übe. Mir ist bewusst, dass eine maßvolle Lebensweise entscheidend ist, für meine eigene Veränderung und die Veränderung der Gesellschaft.

(Quelle: Thich Nhat Hanh „Jeden Augenblick genießen“ Seiten 125-127)

Sehen Sie hier eine Dokumentation über „Ein Leben im Zeichen des Zen“

Vita zu Thich Nhat Hanh

Thich Nhat Hanh ist neben dem Dalai Lama einer der bekanntesten zeitgenössichen buddhistischen Lehrer und ein bedeutender Vertreter des engagierten Buddhismus. Am 11. Oktober 1926 in Vietnam geboren, wurde er im Alter von 16 Jahren Từ Hiếu-Tempel in Huế (Zentralvietnam) zum Mönch ordiniert. Besonders ist, dass er sowohl die Tradition des „Theravada“ als auch die des „Mahayana“ studierte. Schon früh begann er, sich um die zeitgemäße Auslegung des Buddhismus zu bemühen. In den 1960-er Jahren lebte er einige Jahre in den USA, um zu studieren und zu lehren.

1964 kehrte Thich Nhat Hanh nach dem Machtwechsel in Vietnam in seine Heimat zurück. Dort war er Mitbegründer der „Vereinigten Buddhistischen Kirche von Vietnam“, die sich sowohl dem „Mahayana“ als auch dem „Theravada“ verpflichtet fühlt. Weiters wurde die „Schule der Jugend für Soziale Dienste“ (SYSS) gegründet, die sich für die Errichtung von Schulen und Krankenhäusern einsetzten. Während des Vietnamkrieges war die SYSS damit beschäftigt, bombardierte Ortschaften wieder aufzubauen. Dabei kamen Mitglieder der Organisation immer wieder zwischen die Fronten, was vielen mutigen Helfern das Leben kostete.

Ebenfalls 1964 gründete Thich Nhat Hanh den Orden Intersein. Dieser war als spirituelle Widerstandsbewegung konzipiert, der sowohl Laien als auch Ordinierte angehören. Die Mitglieder des Ordens bemühen sich um die praktische Umsetzung der buddhistischen Lehre in Form konkreter Sozialprojekte.

Thich Nhat Hanh ist dafür bekannt, die buddhistische Lehre zeitgemäß zu präsentieren und für den Menschen des 21. Jahrhundert verständlich zu machen. Er wählt dazu eine einfache und verständliche Sprache. Zentral in seiner Lehre sind Intersein („Paticcasammupada“, das Konzept der wechselseitigen Verbundenheit aller Phänomene) sowie die Achtsamkeit („Sati“), also die Fähigkeit, im Hier und Jetzt präsent zu sein.

Die Übung der Achtsamkeit ist mit der Beobachtung des Körpers, insbesondere des Atemvorgangs, verbunden. Auch im Gehen (Gehmeditation) wird Achtsamkeit geübt. Die Achtsamkeitspraxis findet nicht nur während formaler Sitzmeditation statt, sondern durchdringt im besten Fall den ganzen Alltag. So wird das Klingeln des Handys und die Einnahme der Mahlzeit zur Erinnerung, in die Gegenwart zurückzukehren. Zentral ist auch die buddhistische Ethik der fünf „Sila“ (mehr dazu im Eintrag Buddhistische Glaubenspraxis), die Thich Nhat Hanh in eine zeitgenössische Sprache gekleidet hat. Sie werden bei ihm zu den fünf Achtsamkeitsübungen.

Quelle (auszugsweise): Lexikon der Religionen

Buchempfehlungen zu Thich Nhat Hanh

Ein Zenmeister hinterließ einst folgenden Leitsatz, der die Philosophie des Buddhismus und des Zen in seinem Wesen wiederspiegelt:

Folge nicht den Spuren der Meister. Suche, was Sie gesucht haben.

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